Forum › Potsdamer Konferenz › Geschichte › Orderly and Humane › Antwort auf: Orderly and Humane
Die von dir vorgenommene Trennung zwischen moralischem Unrecht und rechtlichen Ansprüchen überzeugt mich nicht vollständig. Recht entsteht nicht im luftleeren Raum, sondern soll Gerechtigkeit verwirklichen. Wenn wir anerkennen, dass Vertreibung und Enteignung Unrecht waren, muss auch erklärt werden, weshalb die daraus resultierenden Ansprüche vollständig erlöschen sollen, während das Unrecht selbst fortbesteht.
Ich fordere nicht, sämtliche historischen Grenzverschiebungen oder Enteignungen neu aufzurollen. Der entscheidende Unterschied ist jedoch, dass wir hier über Ereignisse sprechen, die noch innerhalb des Zeithorizonts lebender Generationen liegen und deren Eigentumsverhältnisse vielfach dokumentiert sind. Zudem werden bei anderen Konflikten des 20. Jahrhunderts Eigentums- und Entschädigungsansprüche durchaus noch Jahrzehnte später anerkannt.
Letztlich scheint mir die Berufung auf die Nachkriegsordnung eher eine Beschreibung dessen zu sein, was politisch durchgesetzt wurde, als eine Begründung dafür, warum es gerecht oder rechtmäßig war. Die eigentliche Frage bleibt daher bestehen: Gilt der Grundsatz, dass Vertreibung kein legitimer Weg zum Eigentumserwerb ist, universell – oder nur dort, wo seine Anwendung politisch opportun erscheint?