Forum › Potsdamer Konferenz › Geschichte › Orderly and Humane › Antwort auf: Orderly and Humane
Ich bestreite keineswegs, dass die Vertreibung der Deutschen ein großes Unrecht war. Die Frage ist jedoch, welche rechtlichen Folgen sich daraus heute ableiten lassen.
Ein Vergleich mit aktuellen Vertreibungen hinkt, da sich das Völkerrecht seit 1945 erheblich weiterentwickelt hat. Viele der heute als selbstverständlich angesehenen Individualrechte waren damals noch nicht in der heutigen Form kodifiziert oder durchsetzbar. Zudem wurden die Folgen des Zweiten Weltkriegs durch eine Vielzahl internationaler Vereinbarungen geregelt, die von den beteiligten Staaten später anerkannt wurden.
Nur weil ein Unrecht moralisch fortbesteht, bedeutet das nicht automatisch, dass auch ein individueller Rechtsanspruch zeitlich unbegrenzt fortbesteht. Andernfalls müsste man zahlreiche historische Enteignungen, Grenzverschiebungen und Bevölkerungsverschiebungen der vergangenen Jahrhunderte erneut aufrollen.
Die eigentliche Schwierigkeit besteht also darin, zwischen der Anerkennung historischen Unrechts und der Frage heutiger Rechtsansprüche zu unterscheiden. Beides gleichzusetzen, halte ich für problematisch.