Polnisch-sowjetisches Abkommen vom 30. Juli 1941

Die Sowjetunion erklärt die deutsch-sowjetischen Grenzvereinbarungen von 1939 für ungültig

Nach schwierigen Verhandlungen kam es am 30. Juli 1941 in London zu einem polnisch-sowjetischen Abkommen, das ohne Ratifikation sofort in Kraft trat. Die entscheidenden Artikel 1–3 dieses Abkommens lauten:

Artikel 1
Die Regierung der UdSSR erkennt an, daß die sowjetisch-deutschen Verträge vom Jahre 1939 betreffend die territorialen Änderungen in Polen außer Kraft getreten sind. Die polnische Regierung erklärt, daß Polen durch kein gegen die Sowjetunion gerichtetes Abkommen mit irgendeinem dritten Lande gebunden ist.

Artikel 2
Die diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Regierungen werden nach der Unterzeichnung des gegenwärtigen Abkommens wiederaufgenommen, und es wird unverzüglich ein Austausch von Botschaftern vorgenommen.

Artikel 3
Die beiden Regierungen verpflichten sich, sich gegenseitig Hilfe und Unterstützung jeder Art im gegenwärtigen Krieg gegen das Deutschland Hitlers zu gewähren.

Quelle

Dokument
Polnisch-sowjetisches Abkommen vom 30. Juli 1941
Auch bekannt als
Sikorski-Maiski-Abkommen
Datum
30. Juli 1941
Ort
London
Vertragsparteien
Polnische Exilregierung und Sowjetunion
Unterzeichner
Władysław Sikorski und Iwan Maiski
Quellenart
Völkerrechtliches Abkommen
Originalsprachen
Polnisch und Russisch
Zitiert als
Polnisch-sowjetisches Abkommen vom 30. Juli 1941
Historischer Kontext
Nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion vom 22. Juni 1941 nahmen die polnische Exilregierung und die Sowjetunion ihre diplomatischen Beziehungen wieder auf.
Historische Bedeutung
Die Sowjetunion erklärte die deutsch-sowjetischen Vereinbarungen von 1939 über territoriale Veränderungen in Polen für ungültig; eine ausdrückliche Anerkennung der polnischen Ostgrenze von 1939 bzw. 1921 erfolgte jedoch nicht.
Deutsche Fassung
Zeitschrift für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht, Bd. 11 (1942/43), S. 100–102.
Russische Fassung
Pravda, Nr. 210 vom 31. Juli 1941, S. 1.
Polnische Fassung
Dokumentenband im Besitz des Polish Research Centre, London, S. 43.