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Hi Human Rights,
ich habe mir das Buch jetzt auch gekauft. Eingestiegen bin ich in das Kapitel „Die ‚wilden Vertreibungen'“ ab Seite 123. Der Autor widerspricht dort der These, dass „spontane Racheakte“ gegenüber den Deutschen bzw. „Volksdeutschen“ zu „wilden Vertreibungen“ geführt haben sollen:
Man muss betonen, dass daran so gut wie nichts wahr ist. Bis auf sehr wenige Fälle gab es im Europa des Jahres 1945 keine Deportation als Folge spontaner Gewalt. Vielmehr wurden diese ‚wilden Vertreibungen‘ fast immer von Soldaten, Polizei und Miliz durchgeführt, die auf Befehl handelten und häufig Beschlüsse der höchsten politischen Ebene ausführten.
R.M. Douglas, Ordnungsgemäße Überführung, 124f.
Douglas hebt hervor, dass die Vertreiberstaaten daran interessiert sind, den Mythos der „wilden Vertreibungen” aufrechtzuerhalten, da sie so erstens die Verantwortung für die Gewalttaten abstreiten können. Zweitens liefere dieser Mythos „fiktive, aber plausible Beweise” für die Rechtfertigung, dass die „deutsche Minderheit” entfernt werden musste, da sonst weitere Massaker zu erwarten gewesen wären. Das dritte Argument schließt direkt an das zweite an: „Organisierte Umsiedlungen” erscheinen nun als „einzig humane Alternative” zu solchen „wilden Vertreibungen”.
Auf Seite 151 schreibt Douglas dann noch einmal explizit und ungeschminkt:
Weder die polnische noch die tschechoslowakische Regierung erwarteten, dass die Phase der ‚wilden‘ Vertreibungen ewig dauern würde. Ihr Ziel war es gewesen, die verbliebene deutsche Bevölkerung durch die strategische Anwendung von Terror zur Flucht aus den Gebieten zu bewegen, die sie räumen wollten, noch vor der Potsdamer Konferenz und ganz sicher vor einer abschließenden Friedenskonferenz. ‚Organisierte Vertreibungen‘ würden erst ins Spiel kommen, wenn dieser Versuch, vollendete Tatsachen zu schaffen, sich als ungenügend erwies.
R.M. Douglas, Ordnungsgemäße Überführung, 151.