„Haar“ – sträubende Zahlenklitterung

Wie hoch ist die Zahl der deutschen Todesopfer durch direkte und indirekte Gewalteinwirkung infolge der gewaltsamten Vertreibung mit und nach Ende des Zweiten Weltkriegs? Gemäß zuverlässigen Quellen liegt diese Zahl mindestens bei über 2 Millionen. Der Historiker Ingo Haar versucht diese Zahl zu relativieren und wirft dem Bund der Vertriebenen „falsche Opferzahlen“ vor. Zu diesen Anschuldigungen nimmt die Präsidentin des BdV, Erika Steinbach, in einer Presserklärung Stellung1)Bund der Vertriebenen, Pressemitteilung vom 17.11.2006, URL: http://www.bund-der-vertriebenen.de/presse/index.php3?id=496 – abgerufen am 17.11.2006:

Der BdV führt keine eigene Opferstatistik sondern stützt sich auf seriöse Angaben der Bundesregierung, des Kirchlichen Suchdienstes sowie des Suchdienstes des Deutschen Roten Kreuzes.

Das Statistische Bundesamt hat 1958 die Gesamtopferzahl mit 2.225.000 ermittelt.

Das Bundesministerium des Innern hat 1982 als Ergebnis festgehalten, ‚dass die Zahl der im Zusammenhang mit Flucht und Vertreibung ums Leben gekommenen Deutschen zwischen 2 und 2,5 Millionen liegen mag‘.

Im Jahre 1995 kam der Kirchliche Suchdienst zu dem Ergebnis: ‚Der statistische Zahlenbericht der ‚Gesamterhebung zur Klärung des Schicksals der deutschen Bevölkerung in den Vertreibungsgebieten‘ (1965) hat die Ergebnisse des Statistischen Bundesamtes über eine Bevölkerungsbilanz für die deutschen Vertreibungsgebiete – veröffentlicht im Buch ‚Die deutschen Vertreibungsverluste‘ – Wiesbaden 1958 – weitgehend bestätigt‘.

Haar reduziert seine Zahl auf die unmittelbar Ermordeten. Das geht auch aus dem von ihm falsch zitierten Bericht des Bundesarchivs aus dem Jahr 1974 eindeutig hervor. Alle anderen Opfer z.B. als Folge von unmenschlicher Zwangsarbeit, Deportation in Viehwaggons – sowohl in Richtung Osten als auch Westen -, oder von Vergewaltigungen, gezielter Mangelernährung und Erschöpfung nach tage- oder wochenlangen Märschen unterwegs oder in Lagern sind für Haar offenbar keine Opfer, sondern eines natürlichen Todes gestorben.

Mit Sicherheit liegen die Opferzahlen noch höher als in den bisher vorliegenden Erhebungen. Denn bislang völlig unerforscht ist die Zahl derjenigen Vertriebenen, die nach ihrer Ankunft in West- und Mitteldeutschland an den oben genannten Vertreibungsfolgen verstorben sind. Nicht enthalten sind auch die über 300.000 Todesopfer der nach Osten deportierten Russlanddeutschen.

Eine solche unwissenschaftliche Zahlenklitterung ist im wahrsten Sinne Haar-sträubend.

Verwandte Beiträge

Quellen   [ + ]

1. Bund der Vertriebenen, Pressemitteilung vom 17.11.2006, URL: http://www.bund-der-vertriebenen.de/presse/index.php3?id=496 – abgerufen am 17.11.2006
Danke! You've already liked this
0 Kommentare