Wir bitten um Vergebung?

Die oft zitierte Vergebungsbitte der polnischen Bischöfe „Wir vergeben und bitten um Vergebung“ betrachtet der katholische Weihbischof em. Dr. h.c. Gerhard Pieschl äußerst kritisch. Bis heute haben die polnischen Bischöfe nämlich nicht deutlich gemacht, für was sie um Vergebung bitten. Stattdessen haben sie diese Vergebungsbitte drei Monate später sehr stark relativiert.

Zum Ende des Zweiten Vatikanums schrieben die polnischen Bischöfe am 18. November 1965 einen Brief an ihre deutschen Amtsbrüder, der die berühmt gewordene Formel „Wir vergeben und bitten um Vergebung“ beinhaltet.1)18.11.1965 Brief der polnischen Bischöfe an ihre deutschen Amtsbrüder Nur drei Monate nach dieser Vergebungsbitte sahen sich die polnischen Bischöfe genötigt, diese Bitte sehr stark zu relativieren: „Hat die polnische Nation einen Grund, unseren Nachbarn um Vergebung zu bitten? Sicherlich nicht.“ beschwichtigten sie in einem Hirtenbrief (10.02.1966) das aufgebrachte polnische Volk.2)10.02.1966 Hirtenbrief der polnischen Bischöfe an die Gläubigen des Landes

Auf einer Konferenz der Kulturstiftung der Deutschen Vertriebenen in Königswinter bei Bonn zu „20 Jahre deutsch-polnischer Nachbarschaftsvertrag (22./23. Juli 2011) griff der katholische Weihbischof (em.) Dr. h.c. Gerhard Pieschl diese Thematik in markanten Sätzen auf:

Ich muss dieser Formel gegenüber äußerst kritisch sein, weil nämlich in der Öffentlichkeit, auch in der kirchlichen Öffentlichkeit, nicht zur Kenntnis genommen werden will, die Tatsache, dass diese schöne Formel vom 2. Vatikanum zurück genommen wurde in dem Hirtenbrief aller polnischen Bischöfe.Dr. h.c. Gerhard Pieschl, Weihbischof em.

Von den Verstrickungen ihres Klerus in die Annexions- und Vertreibungsverbrechen hat die katholische Kirche Polens sich nie deutlich distanziert. Bischof Stanisław Adamski (+1967) hatte z.B. eine Woche nach der Kapitulation der deutschen Wehrmacht die Deutschen aufgefordert, das polnisch besetzte Schlesien unverzüglich zu verlassen. Möglichst vor der Potsdamer Konferenz sollten in den „wiedergewonnenen Gebieten“ (die über 600 Jahre lang überhaupt nicht polnisch waren) vollendete Tatsachen geschaffen werden. Ganz praktisch hat Kardinal August Hlond (+1948) seine deutschen Amtskollegen aus Amt und Würden vertrieben. Mit seinen üblen Tricks wollte der polnische Kardinalprimas auch der päpstlichen Jurisdiktion vorweg greifen. Gerade ihm zu Ehren soll nun bis Endes des Jahres in Kattowitz ein Denkmal errichtet werden. Das Jahr 2013 hat der Kattowitzer Sejmik (Landtag) anlässlich des 65. Todestags zum „Kardinal-August-Hlond-Jahr“ ausgerufen.


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Quellen   [ + ]

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