Quo vadis, Silesia?

Am 29. März 2008 fand auf der Landesdelegiertenversammlung der Landsmannschaft Schlesien in Stuttgart im Haus der Heimat eine Podiumsdiskussion zu dem Thema „Quo vadis, Silesia?“ statt.
Polen hatte Schlesien, nachdem es von den Siegermächten bis zu einer endgültigen Grenzregelung in einem zukünftigen Friedensvertrag unter „polnische Verwaltung“ gestellt worden war, wirtschaftlich ausgebeutet und ausgesaugt. Einst „Kornkammer Deutschlands“ und „Boomland“ gehört Schlesien heute zu den Regionen Europas, die mit großer Sorge betrachtet werden.

Podiumsdiskussion in Stuttgart
Podiumsdiskussion in Stuttgart
(Foto: Gustav Kaul)

Das Podium war hochkarätig besetzt. Moderiert wurde die Diskussion von Arnold Tölg, dem Landesvorsitzenden des Bunds der Vertriebenen in Baden-Württemberg. Aus Oberschlesien war angereist Peter Rybczyk von der deutschen Minderheit. Des weiteren nahmen teil der inzwischen in Deutschland lebende polnische Karikaturist Andrzej Klimczyk, der Präsident der Bundesdelegiertenversammlung der Landsmannschaft Schlesien, Prof. Dr. Michael Pietsch, und nicht zuletzt der Vorsitzende der Landsmannschaft Schlesien in Baden-Württemberg, Günther Zimmermann. Leider war die Generalkonsulin der Republik Polen, Elzbieta Sobotka, die ebenfalls eingeladen war, verhindert.

Diskutiert wurde darüber, wie man das europäischen Sorgenkind Schlesien wieder zum Wirtschaftswunderland gestalten könnte, das Schlesien einmal gewesen war. Einig waren sich die Teilnehmer, dass, obwohl Schlesien nunmehr staatsrechtlich Teil Polens ist, Polen diese Region weiterhin vernachlässigt. Zwar kassiert Polen Milliardenbeträge an Subventionen von der Europäischen Union, doch fliest kaum etwas davon in den Wiederaufbau der Infrastruktur und Wirtschaft Schlesiens. Warschau habe Schlesien immer schlecht behandelt, hob Andrzej Klimczyk hervor. Nach der Ausbeutung und Aussaugung Schlesiens droht dieser ehemaligen „Perle Europas“ nun auch das Ausbluten: Immer mehr junge Menschen haben in jüngster Vergangenheit Schlesien verlassen, um im Ausland Geld zu verdienen.

Wer heutzutage nach Schlesien fährt, braucht sich nicht zu wundern, wenn er an den Tankstellen auf deutsche Tankwarte trifft, die aus den östlichen Bundesländern Deutschlands stammen. Die polnischen Kollegen würden nun in Holland das Doppelte ihres Lohnes verdienen. Nur noch 14% der Häuser Schlesiens seien bewohnt. Die meisten Menschen zieht es in die Metropole Breslau. Es fehlt bislang noch an der Flexibilität und Interesse von staatlicher Seite, um den jungen Menschen eine Zukunft zu geben.

Die weiten, leeren Flächen Schlesiens nützen u.a. Landwirte aus europäischen Ländern wie Belgien, Holland oder Österreich für Experimente – z. B. setzen sie komplette Chipsfabriken „in die Kartoffelfelder“ und exportieren in die ganze Welt. Diese Experimente sind jedoch oftmals von recht kurzer Dauer.

Eine Zukunftschance für Schlesien sahen die Podiumsteilnehmer darin, dass noch mehr (Städte-) Partnerschaften zwischen Deutschland und Polen geschlossen werden. Mittlerweile gibt es ca. 170 solcher Partnerschaften zwischen Städten, Gesangsgruppen, Feuerwehr etc. Nur wenn Schlesien sich auf seine historischen und kulturellen Wurzeln besinnt und daran anknüpft, wird es eine Zukunft haben.

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