Papst verurteilt entschädigungslose Enteignung

In einem Brief vom 1. März 1948 an die deutschen Bischöfe geht Papst Pius XII. auf die existenzielle Not vieler Deutscher in der unmittelbaren Nachkriegszeit ein. Besonders hebt der Papst die „Ostflüchtlinge“ hervor, deren Glaubensfreudigkeit und Glaubenstreue er kennen und schätzen gelernt hatte. Pius XII. „prophezeit“ ein „strenges Urteil“ der Geschichte über ihre zwangsweise und enschädigungslose Enteignung.

Papst Pius XII, dessen Amtszeit (1939 bis 1958) mit dem Beginn des schrecklichsten Krieg aller Zeiten zusammenfiel, war von einer tiefen Sorge über die Zukunft Europas geprägt. In unzähligen Reden, Ansprachen, Rundfunkbotschaften und Briefen, die nur von wenigen heute zur Kenntniss genommen werden, geiselte der Papst insbesondere Rassismus und Imperialismus. Noch 1946 spricht er gegenüber dem Kardinalskollegium von „der imperialistischen Sucht der Zeit“.

Einerseits ist ihm bewusst, dass „in den Kriegsjahren von deutscher Seite Schwerstes und Grauenvolles“ über die Welt dahinging. Andererseits verurteilt er, dass „im Gegenschlag zwölf Millionen Menschen von Haus und Hof vertrieben und der Verelendung preisgegeben wurden.“

Wörtlich schreibt der Papst:

Sind die Opfer jenes Gegenschlags nicht in der ganz überwiegenden Mehrzahl Menschen, die an den angedeuteten Ereignissen und Untaten unbeteiligt, die ohne Einfluss auf sie gewesen waren? Und war jene Maßnahme politisch vernünftig und wirtschaftlich verantwortbar, wenn man darüber hinaus an den gesicherten Wohlstand von ganz Europa denkt?
Papst Pius XII, Brief an die deutschen Bischöfe vom 1.03.1948

Papst Pius XII. drückte seine Hoffnung aus, dass alle Beteiligten zu ruhiger Einsicht kommen und das Geschehene rückgängig machen…

Mit größter Sorge spricht das Oberhaupt der Katholischen Kirche die religiöse Not der Heimatvertriebenen an. Die in ihrem Land geschaffenen neuen kirchlichen Verhältnisse würden erst jetzt richtig in Erscheinung treten. Nur mit Wehmut könne er an die „stolze Heerschau des katholischen Deutschlands in Breslau“ (65. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands in Breslau vom 22.08.1926) zurückdenken, „angesichts des furchtbaren Verhängnisses, das inzwischen über die ostdeutsche Bevölkerung hereingebrochen ist.“

Mit den Sonderbelangen der Flüchtlings- und Vertriebenenseelsorge betraute der Papst Bischof Maximilian Kaller, der 1880 in Beuthen in Oberschlesien geboren wurde und von 1930 bis zu seiner Vertreibung 1945 Bischof der Diözese Ermland in Ostpreußen war. Zur Zeit des Briefes an die deutschen Bischöfe war Maximilian Kaller allerdings bereits an Herzversagen verstorben (+7. Juli 1947).

Der Papst spricht den Bischöfen, Priestern und Gläubigen Lebensmut und Lebenskraft zu in einer Situation, wo die „Türme ihrer Heiligtümer“ – wo sie noch stehen – „heute weit hinaus in ein verwüstetes und hoffnungsarmes Land ragen“. Das katholische Volk möge nicht nur „die Mauern und Türme seiner vom Krieg vernichteten und geschädigten Gotteshäuser, seiner Wohn-, Arbeits- und Bildungsstätten“ aufbauen. Ebenso wichtig seien „die unentbehrlichen geistigen Werte einer glaubensstarken und ruhmvollen, an führenden Gestalten reichen Vergangenheit.“

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