Korfanty-Aufstand

Potsblits hat in einer italienischen Datenbank einen weiteren Beleg dafür gefunden, dass Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg von polnischer Seite massives Unrecht zugefügt wurde. Die völkerrechtswidrige, gewaltsam erzwungene Abtrennung Ostoberschlesiens zugunsten der neu erstandenen „Polnischen Republik“ trug mit dazu bei, dass Hitler bzw. der Nationalsozialismus in Deutschland Fuß fassen konnten. Das wird heute von keinem Historiker bestritten – aber auch kaum erwähnt.

Das mit Ende des Ersten Weltkriegs neu auf die europäische Landkarte zurückgekehrte Polen sollte gemäß der 14-Punkte-Erklärung von US-Präsident Woodrow Wilson (1918) ein „von einer unbestreitbar polnischen Bevölkerung bewohntes Gebiet“ umfassen. Józef Piłsudski, dem 1918/1919 die Führung des polnischen Staates übertragen wurde, wollte sich jedoch nicht an die von den alliierten Siegermächten vorgeschlagenen, mehr oder weniger gerechten neuen Grenzen (z.B. „Curzon-Linie“) halten… Innerhalb kürzester Zeit verfeindete sich Polen mit allen Nachbarn außer Rumänien und Lettland.

In Oberschlesien, dessen Grenze zu Polen hin viele Jahrhunderte hindurch eine der stabilsten Europas war, sollte ein Plebiszit die ethnische Zugehörigkeit der Bevölkerung klären. In drei bewaffneten Konflikten versuchten polnische Aufständische auch hier mit Gewalt die Grenzen der „Zweiten Polnischen Republik“ auf Kosten der Nachbarn auszudehnen. Militärische Unterstützung erhielten sie dabei durch den polnischen Staat.1)http://de.wikipedia.org/wiki/Aufst%C3%A4nde_in_Oberschlesien – abgerufen am 02.04.2012

In der Internet-Datenbank „Prassi italiana di diritto internazionale“ (Italienische Praxis des Internationalen Rechts) des „Istituto di Studi Giuridici Internazionali“ (Institut für internationale Rechtsstudien) hat Potsblits eine interessante Stellungnahme des italienischen Botschafters in Paris (1917-1921), Lelio Bonin Longare, gefunden. Er berichtet über den „Korfanty-Aufstand“.2)http://notes9.senato.it/Web/senregno.NSF/
8c58c55c1230e7f8c125703d002fe257/55c6bc722fe85ad14125646f00592b88?OpenDocument – abgerufen am 02.04.2012
]

(Hier zunächst ein zusammenfassender Einführungstextes in italienischer Sprache mit deutscher Übersetzung durch Potsblits. Im Folgenden dann die eigentlichen Beiträge von Bonin Longare in der Diplomatensprache Französisch, die nicht wörtlich sondern in indirekter, teilweise zusammenfassender Rede wiedergegeben werden. Übersetzung ebenfalls durch Potsblits)

In seguito all’esito sfavorevole per la Polonia del plebiscito svoltosi in Alta Slesia il 20 marzo 1921, i polacchi residenti nella regione insorgevano sotto la guida di Korfanty, e causavano varie perdite alle truppe alleate della Commissione di plebiscito insediata a Oppeln dai Governi alleati. La Conferenza degli Ambasciatori discuteva la difficile situazione determinatasi nella zona, dove sembrava imminente un conflitto fra tedeschi e polacchi. Nella seduta del 7 maggio 1921, il Delegato italiano, Bonin Longare, così commentava le notizie provenienti dall’Alta Slesia:
Prassi italiana di diritto internazionale3)http://www.prassi.cnr.it/prassi/content.html?id=1697 – aufgerufen am 2.04.2012

Übersetzung: „Infolge des für Polen ungünstigen Ausgangs der Volksabstimmung, die in Oberschlesien am 20. März 1921 stattfand, erhoben sich die polnischen Einwohner der Region unter der Führung Korfantys, und verursachten zahlreiche Verluste den alliierten Truppen der Abstimmungskommission, die von den alliierten Regierungen in Oppeln eingesetzt worden war. Die Botschafter-Konferenz diskutierte die schwierige Situation, die sich in der Zone entwickelt hatte, wo ein Konflikt zwischen den Deutschen und den Polen bevorzustehen schien. In der Sitzung vom 7. Mai 1921 kommentierte der italienische Delegierte, Bonin Longare, die Neuigkeiten aus Oberschlesien so:“

Bonin Longare sagt, dass zumindest die Italiener 19 Tote, darunter ein Offizier, hätten.

Je ne sais pas quelles sont les pertes des troupes françaises: quant à nous, nous avons eu 19 morts dont un officier.

Außerdem erwähnt er, dass es am 16. März [also vier Tage vor der Abstimmung] eine ähnliche Situation gegeben habe. Da hätten sie die deutsche Regierung ermahnt, dass die Ordnung alleine von den alliierten Truppen aufrecht erhalten würde. Da leider alle Untersuchungen übereinstimmend ergeben hätten, dass die Unruhe von der anderen Seite gekommen sei, hält er es für notwendig, dass die Botschafter-Konferenz diesmal die polnische Regierung ermahnt:

Si je ne me trompe, dans la séance du 16 Mars, une situation analogue nous avait été signalée des deux côtés. […] A cette occasion, nous avons fait au Gouvernement allemand une recommandation très vive et très pressante en lui rappelant que l’ordre doit être maintenu exclusivement par les troupes interalliées. Comme malheureusement, tous les renseignements concordent pour démontrer que les désordres viennent de l’autre côté, je crois nécessaire que la Conférence des Ambassadeurs recommande vivement au Gouvernement polonais d’employer toute l’autorité, toute la force et les moyens dont il dispose pour empêcher la continuation d’un pareil état de choses et pour arrêter complètement, autant qu’il est possible, ce mouvement que nous ne pouvons tous que déplorer. (Conferenza Ambasciatori, CA 118, Parigi, 7 maggio 1921, ASE, CPV, 299)

In der an die polnische Regierung gesandten Note heißt es, dass die alliierten Regierungen die Erklärung zur Kenntnis genommen hätten, dass die polnische Regierung die Aufstandsbewegung in Oberschlesien missbillige und alle ihr zur Verfügung stehenden Maßnahmen ergriffen hätte, den Kampf unter Kontrolle zu bringen und zu beenden. Diese Erklärung sei umso notwendiger gewesen, da, wenn auch die polnische Regierung, wie sie versichere, keinen aktiven Anteil an dem Aufstand in Oberschlesien gehabt hätte, doch bestimmte bekannte Fakten darin resultierten, dass sie nicht gänzlich ihre Verpflichtung erfüllt hätten, alle in ihrer Macht liegenden Maßnahmen zu ergreifen, um die Verwirklichung dieser Aufstandversuche zu verhindern. Auf diese Weise hätten die Aufständischen eine reichliche Menge an Waffen und Munition aus Polen in ihrem Besitz gehabt. Dies impliziert entweder eine Komplizenschaft oder doch zumindest einen schwerwiegenden Aufsichtsmangel auf Seiten der polnischen Autoritäten, insbesondere weil die Botschafterkonferenz am letzten 9. September die Aufmerksamkeit der polnischen Regierung auf diesen Punkt gelenkt hatte.

Les Gouvernements alliés ont pris acte de la déclaration par laquelle le Gouvernement polonais désapprouve le mouvement insurrectionnel de Haute-Silésie et annonce qu’il a pris toutes mesures à sa disposition pour s’efforcer d’enrayer et de faire cesser la lutte. Cette déclaration était d’autant plus nécessaire que, si le Gouvernement polonais, comme il l’affirme, n’a pas pris une part directe et active au soulèvement de Haute-Silésie, il résulte de certains faits connus qu’il n’a pas entièrement satisfait à l’obligation qui lui incombait de prende toutes les mesures en son pouvoir pour empêcher la réalisation de cette tentative insurrectionnelle. C’est ainsi que les insurgés ont eu en leur possession une abondante quantité d’armes et de munitions provenant de Pologne, ce qui implique la complicité, ou tout au moins un grave défaut de surveillance de la part des autorités polonaises, et cela bien que la Conférence des Ambassadeurs eût spécialement attiré sur ce point, le 9 Septembre dernier, l’attention du Gouvernement polonais.

Außerdem habe man die Anwesenheit von zahlreichen uniformierten Individuen aus Polen bei den Aufständischen festgestellt.

De même, on a constaté la présence parmi les insurgés d’individus venus du territoire de la République, et dont plusieurs étaient en uniforme.

Die alliierten Regierungen weisen die polnische Regierung darauf hin, dass Korfanty die Polen in Oberschlesien dazu aufgefordert habe, gewaltsam Widerstand zu leisten, sollte die Entscheidung der Mächte nicht zu ihrer Zufriedenheit ausfallen.
Die alliierten Regierungen fordern die polnische Regierung, die den Versailler Vertrag unterschrieben habe, jedoch auf, sich für die Respektierung dieser Entscheidung einzusetzen.

Les Gouvernements alliés attirent notamment l’attention du Gouvernement polonais sur la proclamation de M. Korfanty qui invite les Hauts-Silésiens polonais à résister par la force le cas où la décision éventuelle des Puissances ne serait pas de nature à les satisfaire. Les gouvernements alliés rappelent au Gouvernement polonais qu’en signant le Traité de Versailles, il s’est engagé à respecter cette décision.

Weiterführende Hinweise:

Der Versailler Friedensvertrag und der deutsche Osten
Das große Erwachen

Quellen   [ + ]

1. http://de.wikipedia.org/wiki/Aufst%C3%A4nde_in_Oberschlesien – abgerufen am 02.04.2012
2. http://notes9.senato.it/Web/senregno.NSF/
8c58c55c1230e7f8c125703d002fe257/55c6bc722fe85ad14125646f00592b88?OpenDocument – abgerufen am 02.04.2012
3. http://www.prassi.cnr.it/prassi/content.html?id=1697 – aufgerufen am 2.04.2012
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