Internationaler Tag der indigenen Völker

Kambodscha ist eines der ärmsten Länder der Welt. Bekannt ist dieses südost-asiatische Land zwischen Thailand und Vietnam vor allem für die wohl älteste Tempelanlage der Welt: Angkor Wat. Zur traurigen Berühmtheit brachte es Kambodscha durch die Schrecken der kommunistischen „Roten Khmer“, die zwischen 1975 und 1979 in einem „Auto-Genozid“ ca. 2 Millionen der eigenen Landsleute umbrachten. All dies schildert eindrücklich eine Sendung von Planet Wissen. Was sie nicht zeigt, ist der aktuelle Ausverkauf Kambodschas unter dem autoritär regierenden Ministerpräsidenten Hun Sen.

Der 9. August wurde 1994 von den Vereinten Nationen zum „Internationalen Tag der indigenen Völker“ bestimmt. Nach jahrelangen Debatten wurde 2007 von der UN-Vollversammlung schließlich die „Deklaration für die Rechte indigener Völker“ verabschiedet.1)Menschenrechtsreport Nr. 67 der Gesellschaft für bedrohte Völker, Vorabversion August 2012, URL: http://www.gfbv.de/pressemit.php?id=3186 – abgerufen am 9.08.2012

Die Gesellschaft für bedrohte Völker spricht in ihrer Pressemitteilung zum diesjährigen Internationalen Tag der indigenen Völker von einem weltweit zunehmenden Landraub, der die Existenz von Millionen Ureinwohnern bedroht. In ihrem Menschenrechtsreport August 2012 mit dem Titel „Landraub bedroht indigene Völker“ listet die GfbV auch Kambodscha auf. Darin schildert die Menschenrechtsorganisation, wie die Regierung unter Hun Sen in der Hauptstadt Phnom Penh zur eigenen Bereicherung die kambodschanischen Gesetze umgeht. Es geht dabei vor allem um dubiose agrar-industrielle Landkonzessionen an in- und ausländische Konzerne, die einen Raubbau von wertvollem Tropenholz betreiben. Dieser Raubbau hat zu einer rasanten Dezimierung der Regenwälder Kambodschas geführt. Vor 40 Jahren waren noch rund 70 Prozent des Landes mit Wäldern bedeckt. Heute sind es lediglich nur noch rund drei Prozent.

Die betroffene Landbevölkerung wird gewaltsam vertrieben, gegen Proteste wird hart, unter anderem mit Schusswaffen, durchgegriffen. Friedlich demonstrierende Frauen, die auf die Zerstörung von Häusern von 4000 Familien aufmerksam machen wollten, wurden verhaftet und am 22. Mai 2012 in einem Schnellverfahren jeweils zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Erst auf nationalen und internationalen Druck hin wurden ihre Haftstrafen ausgesetzt.

Aber auch die EU profitiert von dem System der Landkonzessionen: Unter dem „Everything but Arms“–Programm wird Zucker von Großplantagen aus der Provinz Koh Kong nach Europa exportiert, für die hunderte Kleinbauern 2007 von ihrem Land vertrieben wurden.Menschenrechtsreport Nr. 67 der Gesellschaft für bedrohte Völker

Der Begriff „indigene Völker“ wurde in den 1980er Jahren von den Vereinten Nationen geprägt. Er bedeutet „in ein Land geboren“ und bezeichnet die Nachfahren der ersten Siedler eines Gebietes, die vor der Eroberung, Kolonisierung oder Gründung eines Staates durch andere Völker in einer Region lebten. Sie leben meist am Rande der jeweiligen Nationalgesellschaft und unterscheiden sich kulturell und sozial von dieser. Man geht von 5.000 indigenen Völkern in 76 Staaten aus…2)Vgl. u.a. Wikipedia, Indigene Völker, URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Indigene_V%C3%B6lker – abgerufen am 9.08.2012

Quellen   [ + ]

1. Menschenrechtsreport Nr. 67 der Gesellschaft für bedrohte Völker, Vorabversion August 2012, URL: http://www.gfbv.de/pressemit.php?id=3186 – abgerufen am 9.08.2012
2. Vgl. u.a. Wikipedia, Indigene Völker, URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Indigene_V%C3%B6lker – abgerufen am 9.08.2012
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