Zentrum gegen Vertriebene?

Man muss kein Wal sein, um sich für Wale einzusetzen. Mit diesen Worten verteidigte Erika Steinbach sich einmal gegen die Infragestellung ihres Status als „Vertriebene“ bzw. als Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen. In den heute-Nachrichten stellte sich nun der Europa-Abgeordnete und Sprecher der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Bernd Posselt, hinter Erika Steinbach. Sollte Erika Steinbach nicht in den Stiftungsrat des Zentrums gegen Vertreibungen, dessen Mitinitiatorin sie ist, aufgenommen werden, würde die Sudetendeutsche Landsmannschaft aus dem Projekt aussteigen und eigene Wege gehen.

Der Streit um die Besetzung des Stiftungsrats des Zentrums gegen Vertreibungen, das in zwei Jahren in Berlin eröffnet werden soll, schwelt weiter. Wie es aus dem Kanzleramt hieß, will sich Angela Merkel Zeit lassen mit der Besetzung des Stiftungsrats. Die SPD und die Grünen drängen auf eine schnelle Lösung.
Mit Bernd Posselt MdEP, der seit 1975 führend in der Paneuropa-Bewegung1)Homepage: Paneuropa-Bewegung tätig ist, wendet sich nun die Sudetendeutsche Landsmannschaft gegen eine Ausgrenzung Erika Steinbachs aus dem Stiftungsrat:

Ohne das Gütezeichen Erika Steinbach wäre das Zentrum gegen Vertreibungen ein Zentrum gegen Vertriebene – und das akzeptieren wir nicht.2)Homepage: Bernd Posselt MdEP, Sprecher der Sudetendeutschen Landsmannschaft

Von polnischer Seite wird offenbar mal wieder eine ideologische Kampagne nicht nur gegen Erika Steinbach sondern auch gegen die deutschen Heimatvertriebenen insgesamt veranstaltet. In der heute-Sendung um 19 Uhr hieß es, Polen würde der BdV-Präsidentin vorwerfen, die Vertreibung der Deutschen aus Polen einseitig zu betrachten, die Vertriebenen nur in der Opferrolle zu sehen. Steinbach stehe für Konfrontation, nicht für Versöhnung.

Ideologisch und teilweise auch rassistisch sind diese Anschuldigungen aus folgenden Gründen:

1. Die meisten von sowjetisch-polnischen Behörden vertriebenen Deutschen wurden nicht aus Polen vertrieben, sondern aus den angestammten, ostdeutschen Gebieten. Diese hatte Polen mit Hilfe Stalins mit Ende des Zweiten Weltkriegs annektiert.

2. Die deutschen Vertrieben (meist Frauen, Kinder und Ältere) waren in ihrer größten Mehrheit nur Opfer (!) Was sollen sie denn nach polnischer Meinung verbrochen haben, dass man meint, sie bestrafen zu müssen, indem man sie bei „Nacht und Nebel“ und oftmals vor allem Winter (!) aus ihren Häusern treibt, ihnen alles raubt, viele von ihnen in Internierungslager steckt und viele ermordet und foltert?

3. Erika Steinbach steht für Versöhnung – jedoch für eine Versöhnung, die die Wahrheit nicht ausklammert!

Es ist wichtig, dass nun aufgeklärte und nüchterne Menschen wie Bernd Posselt Erika Steinbach den Rücken stärken. Posselt gründete die Paneuropa-Jugend Deutschland und machte sie in den Siebzigerjahren zur aktivsten europäischen Jugendorganisation im Bundesgebiet. Heute liegen ihm vor allem das deutsch-französische und das deutsch-tschechische Verhältnis am Herzen sowie der Einsatz für christliche Grundsätze.

Die Paneuropa-Bewegung, die sich für ein demokratisches Gesamt (griech: Pan)- Europa einsetzt, scheiterte zunächst am Nationalismus der europäischen Staaten, an der Weltwirtschaftskrise und am Aufstieg Hitlers. Dieser ließ die Paneuropa-Union verbieten und verfolgen, ihre führenden Repräsentanten, vor allem Richard Nikolaus Graf von Coudenhove-Kalergi (1894–1972) und Otto von Habsburg (*1912), mußten in die USA fliehen. Nach Kriegsende zurückgekehrt, durften sie erleben, wie ihre Ideen in der freien Westhälfte Europas einen Siegeszug antraten und von christlichen Staatsmännern wie Adenauer, Schuman, de Gasperi und de Gaulle schrittweise in die Tat umgesetzt wurden.

Weiterführende Hinweise

Potsblits: Aufarbeitung der Geschichte
Potsblits: Prominente unterstützen Zentrum gegen Vertreibungen

Quellen   [ + ]

1. Homepage: Paneuropa-Bewegung
2. Homepage: Bernd Posselt MdEP, Sprecher der Sudetendeutschen Landsmannschaft
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