Die schweigende Papstausstellung

Die aktuelle Papstausstellung des päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaften stellt in gelungener Weise dar, dass Papst Pius XII. gegenüber dem unermesslichen Leid der Juden in der Zeit des deutschen Nationalsozialismus nicht geschwiegen hat. Derselbe Papst hat aber auch nicht gegenüber dem millionenfachen Unrecht, das den Ostdeutschen und „Volksdeutschen“ mit Ende des Zweiten Weltkriegs widerfuhr, geschwiegen – das wird von der Papstausstellung, die den Anspruch erhebt, „das unverzerrte Bild Eugenio Pacellis“ zu zeigen, jedoch ausgeblendet.

Papst Pius XII.
Papst Pius XII.
(Foto: Potsblits)

Eindrucksvoll dokumentiert auf verschiedenen Schautafeln und mit historischen Dokumenten in Vitrinen legt die Ausstellung des Vatikans („OPUS JUSTITIAE PAX – Das Werk der Gerechtigkeit ist der Frieden“) Eugenio Pacellis‘ Bemühungen und Einsatz für die Juden – als Bischof und als Papst – dar.1)Homepage: Die Papstausstellung

Die Radiobotschaften Pius‘ XII., insbesondere seine Weihnachtsbotschaften, werden vom „Pontificio Comitato di Scienze Storiche“ (Päpstliches Komitee für Geschichtswissenschaften) als „systematische Darstellung seines Denkens“ betrachtet. Sie beweisen die gleich bleibende Aufmerksamkeit des Papstes gegenüber der Thematik des Friedens. – Gemäß der New York Times seien sie ein weiterer Beweis dafür, dass Pius XII. „klare und wirksame Worte zu Gunsten der Juden“ sprach.

In zahlreichen Reden und Rundfunkansprachen geißelte Papst Pius XII. jedoch auch die Gewalt, die sich mit Ende des Zweiten Weltkriegs gegenüber den Deutschen im historischen Ostdeutschland und in den deutschen Siedlungsgebieten in den Nachbarländern völkermordartig entlud.2)Dokumente: Reden und Ansprachen Papst Pius‘ XII. Das wird immer noch von vielen ignoriert – leider auch von der Papstausstellung, die den Anspruch erhebt, „das unverzerrte Bild Eugenio Pacellis“ zu zeigen.

In seiner Rundfunkansprache zu Heiligabend 1947 äußerte sich der Papst gegenüber der völkermordartigen Vertreibung der Deutschen z.B. wie folgt:

Wen könnte es dann wundern, wenn dasselbe Gewissen, das sich berechtigt entrüstet hatte, als es derartige Handlungen von dem einen vollziehen sah, in gleicher Weise empfindet, wenn es sie an anderen begehen sieht?Radiobotschaft vom 24.12.1947; Dok. S. 69.

Vehement wandte sich der Papst gegen die Verurteilung und kollektive Bestrafung ganzer Gemeinschaften. Gewalt dürfe nicht mit Gewalt vergolten werden. Die Schuldigen müssen zwar bestraft werden, doch man dürfe sie nicht mit denen zusammenwerfen, die weder Schuld am Krieg tragen, noch irgendein Verbrechen begangen haben.

In einer Ansprache vor dem Kardinalskollegium warnte Pius XII. bereits an Heiligabend 1945…

Wer also Sühne für Schuld verlangt, durch gerechte Bestrafung der Verbrecher nach dem Maß ihrer Verbrechen, muss peinlich darauf achten, dass er nicht das Gleiche tue, was er den anderen als Schuld oder Verbrechen vorhält.Ansprache an das Hl. Kollegium vom 24.12.1945

…und im Februar 1946 hob er hervor:

Es gehen verhängnisvolle Irrtümer um, die einen Menschen für schuldig und verantwortlich erklären nur deshalb, weil er Glied oder Teil irgendeiner Gemeinschaft ist, ohne dass man sich die Mühe nimmt, nachzufragen und nachzuforschen, ob bei ihm wirklich eine persönliche Tat- oder Unterlassungsschuld vorliege.Ansprache an die Kardinäle vom 20.02.1946

In seinem berühmten Brief an die deutschen Bischöfe vom 1. März 1948 verurteilte Papst Pius XII. schließlich ganz offen die entschädigungslose Enteignung der Ostdeutschen und betonte, dass die „ganz überwiegende Mehrzahl“ dieser Menschen Opfer sind, die an den Ereignissen und Untaten der Kriegsjahre „unbeteiligt und ohne jeden Einfluss auf sie gewesen sind“. Abschließend verlieh das Oberhaupt der Katholischen Kirche seinem Wunsch Ausdruck, dass das Geschehene rückgängig gemacht werden sollte, soweit es sich noch rückgängig machen lässt.3)Dokument: 1.03.1948 Brief Papst Pius‘ XII. an die deutschen Bischöfe

Die Papstausstellung über Pius XII. unter dem Titel „OPUS JUSTITIAE PAX – Das Werk der Gerechtigkeit ist der Frieden“, die in Berlin vom 23.01. bis 7.03.09 gezeigt wurde, ist noch bis zum 3. Mai diesen Jahres im Zentrum Münchens in der ehem. Karmeliterkirche unweit des Frauendoms zu sehen.

Weiterführende Hinweise

Potsblits: Papst verurteilt entschädigungslose Enteignung
Potsblits: Die Papstausstellung

Quellen   [ + ]

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