Das Problem des Friedens in der heutigen Welt

Das Nobelpreis-Komitee verlieh im Oktober 1953 rückwirkend für das Jahr 1952 dem evangelischen Arzt und Theologen Albert Schweitzer den Friedensnobelpreis. 1954 nimmt dieser ihn in Oslo entgegen. Der Kalte Krieg und das Wettrüsten hat begonnen. Die Atombombe als neue „Wunderwaffe“ hängt wie ein Damoklesschwert über der Menschheit. 1962 kommt es zur „Kubakrise“…

Albert Einstein und Otto Hahn (1944 Nobelpreis für Kernspaltung des Urans) drängten Albert Schweitzer, seine Popularität gegen das Atomrüsten einzusetzen.

Albert Schweitzer (geb. 1875 in Kaysersberg im Oberelsass, gest. 1965 in Lambaréné, Rep. Gabun) stellt in seiner Rede mit dem Titel „Das Problem des Friedens in der heutigen Welt“ bei der Entgegennahme des Friedensnobelpreis am 4. November 1954 in Oslo fest, dass die Menschheit in derselben Weise unmenschlich wird, wie sie an „übermenschlichen“ Kräften gewinnt.

Die „Vernunft“ des Menschen sei nicht in gleicher Weise fortgeschritten wie seine „Kraft“, die ihm nunmehr ermöglicht „auf sehr große Distanz hin zu töten“… Je mehr der „Übermensch“ (superman!) an Kraft gewinnt, desto ärmer wird er…

Il ne s’est pas élevé au niveau de la raison surhumaine qui devrait correspondre à la possession d’une force surhumaine […] le surhomme, à mesure que sa puissance s’accroît, devient de plus en plus un pauvre homme…Albert Schweizer, Rede in Oslo am 4.11.19541)http://nobelprize.org/nobel_prizes/peace/laureates/1952/schweitzer-lecture-f.html – abgerufen am 11.08.2008

Wer still akzeptiert, dass in Kriegen Menschen massenweise getötet werden, ganze Städte und ihre Einwohner durch Atombomben vernichtet und Menschen durch Brandbomben in „brennende Fackeln“ verwandelt werden, der macht sich der Unmenschlichkeit schuldig.

Albert Schweitzer kritisierte in seiner Rede vor dem Nobelpreiskomitee auch die Schaffung von Nachkriegsordnungen, die Samen für neue Kriege beinhalten.

La nouvelle organisation, créée après les deux guerres, contient à son tour des germes d’une guerre future.Albert Schweizer, Rede in Oslo am 4.11.1954

In Bezug auf die deutschen Heimatvertriebenen sagte der gebürtige Elsässer, der sich selbst als „Weltenbürger“ betrachtete und die deutsche und die französische Sprache nahezu gleich gut sprach:

In schlimmer Weise vergeht man sich gegen das Recht des geschichtlich Gegebenen, und überhaupt gegen jedes menschliche Recht, wenn man Völkerschaften das Recht auf das Land, das sie bewohnen, in der Art nimmt, dass man sie zwingt, sich anderswo anzusiedeln. Dass sich die Siegermächte am Ende des Zweiten Weltkrieges dazu entschlossen, vielen hunderttausend Menschen dieses Schicksal und dazu noch in der härtesten Weise, aufzuerlegen, lässt ermessen, wie wenig sie sich der ihnen gestellten Aufgabe einer gedeihlichen und einigermaßen gerechten Neuordnung der Dinge bewusst wurden.Albert Schweizer, Rede in Oslo am 4.11.1954 (Übersetzung: Alfred M. de Zayas. Die Nemesis von Potsdam, S. 27)

Quellen   [ + ]

1. http://nobelprize.org/nobel_prizes/peace/laureates/1952/schweitzer-lecture-f.html – abgerufen am 11.08.2008
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