Agitatoren

Am 2. Februar 2007 veröffentlichte die F.A.Z ein Interview mit der polnischen Außenministerin Anna Fotyga über die „polnische Minderheit“ in Deutschland. Zehn Tage später war in derselben Zeitung ein Leserbrief eines polnischen Immigranten aus Esslingen zu lesen, der der Politikerin zurufen möchte: „Bitte lassen Sie uns Emigranten in Ruhe.“ Es sei höchste Zeit, dass die deutsch-polnische Beziehung von „Agitoren auf beiden Seiten“ befreit würde.

Anna Fotyga, die 1957 in Lębork (vor 1946: „Lauenburg“ in Pommern) geboren wurde, gehört der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) an und ist seit Mai 2006 polnische Außenministerin. Sie wirft den deutschen Behörden „Assimilierungspolitik“ vor und fordert polnischsprachigen Unterricht an deutschen Schulen. Die Bundesregierung dahingegen geht von dem Standpunkt aus, dass es in Deutschland gar keine „polnische Minderheit“ gibt, „weil rechtlich nur ‚historisch‘ angesiedelte Gruppen als Minderheiten gelten können, nicht aber Flüchtlinge und Arbeitsmigranten“.

Ein polnischer Leserbriefschreiber meint dazu:

Eine strenge zweisprachige Erziehung, so erstrebenswert sie sein mag, führt in der Praxis nicht selten zu mangelhaften Kenntnissen in beiden Sprachen. Es betrifft oft Emigranten und Spätaussiedler.
Leserbrief vom 12.02.2007 in der F.A.Z.

Die Vorwürfe der polnischen Politikerin, die von 2004 bis 2005 in der UEN-Fraktion im Europäischen Parlament tätig war, stützen sich auf ein Beispiel eines Polens aus der Nähe von Hamburg, der mit einer Deutschen verheiratet ist und in Trennung lebt. Vor dem Jugendamt sollte er sich mit den gemeinsamen Kindern auf deutsch unterhalten, damit das Jugendamt feststellen konnte, wie die Kinder zum Vater stehen. Obwohl der Vater die deutsche Sprache fließend spricht, weigerte er sich deutsch mit seinen Kindern zu sprechen. Stattdessen verklagte er das Jugendamt wegen Diskriminierung.

Quellen:

  • „Assimilierungspolitik der deutschen Behörden“. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 2. Februar 2007
  • „Unerbetene Fürsprache“. Leserbrief in der F.A.Z vom 12. Februar 2007

 

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