Keine Aussicht auf Gerechtigkeit

Aktuelle Gedenkfeiern zum 75. Jahrestag des Zweiten Weltkriegs klammern das noch offene Unrecht der entschädigungslosen Enteignung und Vertreibung von Millionen deutscher Staatsbürger aus. Dieses Unrecht wird als „Folge“ des von Deutschland entfesselten Krieges betrachtet und offenbar deswegen zählen die Menschenrechte für diese Opfer nicht.

Leider wurde weder in der Rede von Joachim Gauck auf der Westerplatte in Danzig1)75 Jahre Beginn Zweiter Weltkrieg 1.09.2014, Bundespräsident Joachim Gauck noch in der Predigt von Kardinal Reinhard Marx in der Kathedrale von Gleiwitz2)Predigt Kardinal Reinhard Marx das offene Unrecht der Vertreibung von über 12 bis 15 Mio Deutschen (zwei Mio Tote) erwähnt. Bei deutsch-tschechischen Begegnungen wird von bayrisch-deutscher Seite für gewöhnlich dieses Thema hinsichtlich der Sudetendeutschen nicht ausgespart. Es wird gerne von einem „Wunder“ der deutsch-polnischen Versöhnung gesprochen. Allerdings kann dies keine christliche Versöhnung sein, die nicht einmal versucht, die Entrechteten zu rehabilitieren und Unrecht wieder gut zu machen.

In seiner Rede am 1. September 2014 betonte der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck:

Ich weiß, dass Leid betrauert werden will und Unrecht nach ausgleichender Gerechtigkeit ruft. Deshalb brauchen wir weiter den aufrichtigen Umgang mit der Vergangenheit, der nichts verschweigt und nichts beschönigt und den Opfern Anerkennung zuteil werden lässt.Gauck, 75 Jahre Zweiter Weltkrieg

Das millionenfache Unrecht der Vergewaltigungen und Vertreibungen gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wird leider immer mehr verschwiegen, bagatellisiert und beschönigt. Die Opfer wurden bislang nicht als solche anerkannt, vor allem nicht von den Tätern. Diese wurden niemals juristische verfolgt oder vor ein Gericht gestellt.

Gegen Russland wendet sich folgender Satz aus Gaucks Vortrag:

Weil wir am Recht festhalten, es stärken und nicht dulden, dass es durch das Recht des Stärkeren ersetzen wird, stellen wir uns jenen entgegen, die internationales Recht brechen, fremdes Territorium annektieren und Abspaltung in fremden Ländern militärisch unterstützen.Gauck, 75 Jahre Zweiter Weltkrieg

Bereits nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Selbstbestimmungsrecht der Völker bzw. das Völkerrecht gebrochen. Ohne die betroffene deutsche Bevölkerung in einem gerechten Verfahren zu befragen bzw. entgegen dem bekundeten Willen der Bevölkerung wurden Grenzregionen des Deutschen Reichs annektiert. Über den „Versailler Vertrag“ hinausgehend war es das erklärte Ziel insbesondere von Frankreich gewesen, den deutschen Nachbarn entscheidend zu schwächen.

Die Geschichte lehrt uns, dass territoriale Zugeständnisse den Appetit von Aggressoren oft nur vergrößern.Gauck, 75 Jahre Zweiter Weltkrieg

Mit Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Politik der Zerstückelung Deutschlands fortgesetzt. Die Aggressoren waren nun Stalin und die mit ihm verbundenen Kommunisten und Helfeshelfer in den umliegenden sowjetischen „Satelliten-Staaten“. Deutschland verlor dabei im Osten ein weiteres Viertel seines angestammten Territoriums. Die dortige Bevölkerung wurde brutalst geschändet, enteignet und vertrieben. Dieses Unrecht ging definitiv nicht von Deutschland aus, auch dann nicht, wenn man es in den Zusammenhang einer „Spirale der Gewalt“ stellt.

Der Zweite Weltkrieg ging ja über alle Vorstellung, was ein Krieg ist, weit hinaus. Es ging um Unterdrückung und Vernichtung, Vergewaltigung und Zerstörung. Dass dies von Deutschland ausging, erschüttert uns auch als Kirche in Deutschland bis heute.Kardinal Reinhard Marx

Bis heute weisen Polen und Tschechien (von Russland ganz zu schweigen) – im Gegensatz zu manch anderen „Vetreiberstaaten“ – jegliche Verantwortung von sich. Unterwürfig wird auch von deutschen Politikern und Medien nachgeplappert, dass deren Verstöße gegen Menschen- und Völkerrecht eine „Folge“ des Zweiten Weltkriegs sei. Diese Leute haben offenbar die Menschenrechte nicht verstanden. Dabei handelt es sich ja um vorstaatliche (!) Rechte, die nicht aufgrund von (staatlichem) Versagen von Politikern etc. kollektiv einer Volksgruppe abgesprochen werden können!


Der historische Zusammenhang

Quellen   [ + ]

1. 75 Jahre Beginn Zweiter Weltkrieg 1.09.2014, Bundespräsident Joachim Gauck
2. Predigt Kardinal Reinhard Marx
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